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Prof. Dr. Eugen Blume

HAMBURGER BAHNHOF - Museum für Gegenwart, Berlin

 

Eine Rauminszenierung von Otmar Sattel

Otmar Sattel - LUXduktus

 

Galerie Nord, Berlin

Es ist das Licht und das Geheimnis oder noch genauer, das Licht, das in etwas hineinscheint, etwas sichtbar macht, was uns trotz dieser augenscheinlichen Anwesenheit nicht aufgeklärt wird.

Otmar Sattels  Raum handelt vom Geheimnis des Sichtbaren, am ehesten vielleicht in dem in die Mitte gestellten Kubus aus Jalousien. Herunter gelassene Jalousien sind ein trivialer Topos des Geheimen, des Verborgenen.

Natürlich denke ich an den genialen Alfred Hitchcock, in dessen Filmen mitunter eine Kamerafahrt an eineJalousie heran, den Eindruck vermittelt, man könne sehen, was sich dahinter ereignet. Für unsere Spannung  ist es noch förderlicher, wenn sich die einzelnen Blätter der Jalousie im Winde bewegen. Gerade unser verinnerlichtes Wissen, dass Jalousien einen Raum abschirmen gegen neugierige Blicke, aber auch gegen zuviel Licht, das die Dinge zu deutlich zeichnet, machen sie zum Zeichen abgeschirmter Prozesse, welchen Charakter sie immer haben mögen. Sie können aber auch, wollen wir ihre Zeichenhaftigkeit höher ansiedeln, für unsere Fähigkeit oder Unfähigkeit stehen, die Wirklichkeit wahrnehmen zu können. Oftmals sind unsere Jalousien heruntergelassen und wir können nicht sehen, was sich wirklich ereignet, obwohl wir meinen, die Dinge klar sehen zu können. In der indischen Philosophie gibt es die Vorstellung, aus unserem linearen Zeitverständnis heraustreten und erst dadurch die Welt in ihrer wirklichen Ausdehnung begreifen zu können.

In der Beschreibung dieser besonders für uns Westmenschen nicht denkbaren Vorstellung dient das Ei als Möglichkeit zu erklären, was gemeint ist. Das Geborenwerden in einem Ei bedeutet in der Welt zu sein, aber erst das Durchbrechen der Eierschale heißt die Welt wirklich zu erkennen. Ähnlich ließen sich die Jalousien in Sattels Raum deuten, bezogen auch auf die Werke, die er als sich gegenseitig durchdringenden Kontext hinzu gestellt hat. Die beleuchteten Blätterbilder etwa, die etwas sichtbar machen, was wir besonders im Herbst achtlos übergehen, das Wunder eines Blattes oder weiter noch das Wunder eines Baumes, der durch aufgestellte Blattflächen seine Oberfläche schier unendlich erweitert und aus diesen kleinen Lichtzellen seine Energie zieht. Ein Gebilde von höchster Effektivität und Schönheit. Dieses Detail aus einem  wunderbaren Naturbauwerk zwischen Glasscheiben wie ein herkömmliches Kunstwerk in ästhetische Muster gebunden, baut Sattel in die kulturlose Rohheit der sogenannten Trockenbauweise, die unsere Behausungen asthmatisch werden lässt.

Der Gegensatz zwischen dem Naturbauwerk und seiner komplexen, an den gesamten Naturhaushalt angeschlossenen Systeme und unseren preiswerten Bausätzen ist nicht größer denkbar. Die Trockenbauweise hat kein Geheimnis. Sie ist was sie ist, eine primitive Aushilfe in einem Gefüge, was das Geheimnis grundsätzlich leugnet und lediglich in Taktiken hilflos operiert. Auf Fotografien früherer Arbeiten zeigt Sattel seine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema der Erkennbarkeit oder eben Nichterkennbarkeit kosmologischer Zusammenhänge. Seine bei der Arbeit  DAS PORTRAIT  auf Flaschengründe projizierten Tiefseefische, die im ewig Dunkeln ihre Augen zurück entwickelt haben, sind auf heilsame Weise Abbilder unserer eigenen Vergeblichkeit.

In der großen Arbeit von Joseph Beuys mit dem Titel Richtkräfte stehen in der Mitte drei aufgestellte Schultafeln, auf der einen steht der mit Kreide geschriebene programmatische Satz „mache die Geheimnisse produktiv“. Das war 1970. Heute haben wir uns von einer derartigen Vorstellung äußerst weit entfernt. Die Welt wird angeblich sukzessive ihrer Geheimnisse beraubt und diesen Prozess, der natürlich von der Vorstellung der restlosen Verwertung ausgeht, hält man für den eigentlich produktiven. Eine jede Kunst aber versucht das Geheimnis produktiv zu machen, das heißt das Energiefeld des Nichtverstehbaren, des Nichtaufklärbaren zu schützen und aus ihm im geistigen Sinne Nutzen zu ziehen, einem Nutzen der keinen unmittelbaren Zweck zugeführt werden kann. In diesem Sinne verstehe ich die Arbeiten von Otmar Sattel.

 


    
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